Fechenheimer Anzeiger vom 08.06.2006
Fechenheim (kib). –
Dass Kunst ein Schulfach ist, das richtig Spaß machen kann, das wissen die Schüler der Heinrich-Kraft-Schule schon lange.
Seit zwölf Jahren gibt es an der Heinrich-Kraft-Schule in
Zusammenarbeit mit dem Amt für Wissenschaft und Kunst sowie der „1822
Stiftung der Frankfurter Sparkasse“ ein Projekt, das Professionelle
Kunst in die Schule bringt.
Renommierte Frankfurter Künstler, wie zum Beispiel Renate Sautermeister,
Will McBride oder F. K. Waechter bekommen für ein bis zwei Jahre vom
Kulturdezernenten der Stadt den Titel „Schulkünstler an der
Heinrich-Kraft-Schule“ verliehen. Diese besondere Form der Begegnung
zwischen allgemeinbildender Schule und Kunst war zunächst bundesweit
einmalig. „Jeder Schulkünstler, ausgestattet mit einem Preisgeld und
den Mitteln der Galerie am Fachfeld e.V., ist aufgefordert während
seiner Arbeit mit den Schülern Spuren seines Schaffens zu
hinterlassen“, so steht es auf der Homepage der Heinrich-Kraft-Schule
und so wird es noch immer gelebt.
Schulkünstler Johannes Westenberger
Schulkünstler seit Herbst 2004 ist der freischaffende Künstler und
Kunstpädagoge Johannes Westenberger. Zusammen mit den Schülern der
Heinrich-Kraft-Schule wird er seine Abschiedsausstellung am 27. Juni
eröffnen. Doch nun rückten erst einmal die Schüler mit einer eigenen
Ausstellung, der zweiten ihrer Art, in den Mittelpunkt. Ausstellungsort
ist zum zweiten Mal das Stadtteilbüro der GFFB gGmbH (Gemeinnützige
Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft) im Ladengeschäft Alt
Fechenheim 81. Im Rahmen einer kleinen Ausstellungseröffnung wurden
ausgewählte Schülerarbeiten einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt
unter dem Motto „Mit Tusche und Rohrfeder“. Alles was gezeigt wird, ist
in Arbeitgemeinschaften und an Projekttagen entstanden. Neunzehn
Schüler sind mit 20 Ausstellungsobjekten vertreten. Gezeigt werden
außerdem die Utensilien, die zum Arbeiten mit der Tusche traditionell
verwendet werden. Dazu gehört der Reibstein, indem die aus
Kiefernholzruß und Knochenleim bestehende Stangentusche gerieben und
Wasser angerührt wird. Dabei sein muss natürlich auch die Rohfeder aus
Bambus- oder Schilfrohr. Holzstäbchen und Pinsel aus Ziegenhaar.
Traditionell ist das Zeichen mit der Tusche eine ostasiatische
Kunstrichtung, die aber auch im westlichen Kulturkreis Fuß gefasst hat.
Mit einer Mappe voller Tuschezeichnungen hat sich Johannes Westenberger
als Schulkünstler beworben und Tuschezeichnen stand natürlich auch im
Mittelpunkt dessen, was Westenberger den Schülern in seiner Zeit als
Schulkünstler vermittelt hat. Wie hingeworfen wirkende Zeichnungen
hängen neben Bildern, die wie Schwarz-Weiß-Aquarelle aussehen. Fein
ausgearbeitete Arbeiten neben interessanten und aktuellen Manga-Studien
(Manga-Begriff für japanische Comics).
Im Gespräch mit einzelnen Schülern zeigt sich, dass es sich bei dem
Interesse für künstlerisches Arbeiten keineswegs nur um ein schulisches
Interesse handelt. Zum Beispiel Dimitra Georikea und Verena Winter.
Beide haben sich auch privat der Kunst als Hobby verschrieben. Der
Bleistift ist das Werkzeug von Dimitra, die sich auf das Zeichnen von
japanischer Comic-Kunst spezialisiert hat. Musik nicht nur hören,
sondern auch selbst machen, heißt ihre andere künstlerische
Devise: Rock, Punk und Metall. Ihr Ziel ist es, als Sängerin einmal, mit
ihrer Band auftreten zu können.
Verena Winter zeichnet und malt. Neunzig Bilder von ihr kann man schon
in einer Internetausstellung bewundern. Viele mit guten Beurteilungen.
Folgerichtig heißt ihr Ziel für die Zukunft ein Studium der Kunst und
der Fotografie zu absolvieren. Doch jetzt freuen sich die beiden
zusammen mit Schulkameraden darauf, dass viele die Ausstellung besuchen
werden. Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, welche Bilder
interessant, gekonnt oder einfach nur schön sind, dem wird ein Besuch
der Ausstellung dringend empfohlen. Die Ausstellung ist bis zum 25.
August zu sehen. Öffnungszeiten des Stadtteilbüros sind montags bis
donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr. Telefonisch
ist das Stadtteilbüro unter der Rufnummer (0 69) 4 26 01 76-0 zu
erreichen.
Bilder käuflich erwerbbar
Wenn Interesse besteht, ein Bild käuflich zu erwerben: Ein Bild kostet
25 Euro, der Rahmen dazu weitere 5 Euro. Mit der Hälfte des
Verkaufspreises wird der Förderverein der Heinrich-Kraft-Schule, der
die Materialien für die Arbeitsgemeinschaften und die Projekttage
kostenlos zur Verfügung stellt, unterstützt.