Frankfurter Neue Presse vom 12.09.2006

Stadt will Betreuungsmöglichkeiten für Kinder weiter verbessern

Eine Stütze für Familien


Frankfurt. Die Stadt Frankfurt will für Familien noch attraktiver werden. Um die Betreuung in den Kindergärten zu verbessern, sollen etwa von 2007 an rund 400 neue Erzieherinnen eingestellt werden, wie Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne) gestern ankündigte. Damit kämen auf eine 21- bis 23-köpfige Kindergartengruppe zwei statt bislang 1,5 Stellen. Die Kosten bezifferte Ebeling in der Endausbaustufe 2010 auf rund 27 Millionen Euro. Seit diesem Monat ist das letzte Kindergartenjahr zudem kostenlos. Die Öffnungszeiten in 25 Kitas sollen weiter verlängert werden, 135 Kindergärten hätten bereits von früh morgens bis in den Abend geöffnet.


Auch die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren soll weiter erhöht werden. Derzeit gibt es für gut jedes fünfte der rund 11 800 Kinder zwischen ein und drei Jahren einen Betreuungsplatz. „Wir haben das bundesweit ausgegebene Ziel von 20 Prozent bereits überschritten“, sagte Ebelings Vorgänger auf diesem Gebiet, der mittlerweile abgewählte Sozialdezernent Franz Frey (SPD). Frey, der jetzt Oberbürgermeisterkandidat seiner Partei ist, hält den Bedarf in einer Großstadt wie Frankfurt aber für noch höher und strebte für 30 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze an.

„Frankfurt ist schon recht kinderfreundlich“, sagte Ebeling. Dies zeige die steigende Zahl von Kindern. Dieser Trend solle mit Hilfe des 2005 gegründeten Bündnisses für Familien – ein Netzwerk aus Ämtern, Unternehmen, Verbänden und Stiftungen – ausgebaut werden. Die lokalen Bündnisse für Familien gehen auf eine Initiative der früheren Familienministerin Renate Schmidt (SPD) zurück. Zu den Aktivitäten des Bündnisses gehört auch die „Erste Frankfurter Familienmesse“, die am Sonntag, 17. September, im Zoo über das Angebot der größten Stadt Hessens für Familien informiert und künftig jedes Jahr im Kalender stehen soll.

Um das Aufwachsen in Frankfurt geht es auch beim ersten Frankfurter Familienkongress, der im Frühjahr 2007 geplant ist. Familien mit Neugeborenen werden vom nächsten Sommer an angeschrieben und zu Informationsveranstaltungen eingeladen. Neu ist auch eine Notfallbetreuung bei den Elbi-Strolchen in der Elbinger Straße 7 (Rufnummer 97776-200), in der Babys und Kinder bis zu zwölf Jahren kurzfristig unterkommen können, wenn die Tagesmutter, die Großeltern oder die Kindertagesstätte ausfallen. Das kostet drei Euro pro angefangene Stunde, maximal 12 Euro für die Ganztagsbetreuung, Geschwisterkinder zahlen zwei Euro die Stunde, maximal acht Euro. Unterstützt wird das Projekt von der BGAG – Stiftung Walter Hesselbach. In den Stadtteilen soll die Zahl der Familien-Info-Cafés, in der Mütter und Väter alle Adressen und Angebote rund um das Thema Familie finden, aufgestockt werden. Nach englischem Vorbild sind Eltern-Kind-Zentren geplant, in denen es Angebote für alle Lebenslagen von Familien gibt, beispielsweise bei Arbeitslosigkeit. Außerdem sollen einige ausgewählte Schulhöfe nach und nach als Sport- und Freizeittreffs für ganze Familien ausgebaut werden.

Dass Frankfurt bei der Kinderbetreuung gar nicht so schlecht dastehe, unterstrich auch Dagmar Bollin-Flade von der Industrie- und Handelskammer. Die IHK hatte in diesem Jahr einen Familienatlas herausgebracht, in dem die Familienfreundlichkeit der Kommunen im Rhein-Main bewertet wurde. Die Familienfreundlichkeit sei ein wichtiges Standortkriterium, denn: „Wenn hochqualifizierte Frauen sich gegen Kinder entscheiden, kann das nur der falsche Weg sein“, sagte Bollin-Flade. (tre)


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