Frankfurt. Ein Jahr lang haben sich in neun Arbeitsgruppen unter Federführung des
Kinderbüros Vertreter von Einrichtungen und Ämter, Vereine, Firmen und
Eltern regelmäßig getroffen, um Ideen zu entwickeln. „Es ist ein sehr
breites Bündnis“, sagte Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Bündnis
90/Die Grünen) bei der Vorstellung der Projekte. Ein Projekt, das
daraus entstand, ist der Notfallkindergarten. Die Elbi-Strolche, eine
Kindertagesstätte der gemeinnützigen Frankfurter
Frauen-Beschäftigungsgesellschaft am Industriehof, betreut nun auch
Kinder, deren Kindergarten, den sie normalerweise besuchen, geschlossen
hat oder deren Eltern aus anderen Gründen rasch eine Betreuung
benötigen.
Die Strolche nehmen Kinder vom Säuglingsalter bis zu zwölf Jahren auf,
die Betreuung kostet drei Euro pro Stunde, maximal zwölf Euro am Tag.
Bei Bedarf können die Kinder bis 22 Uhr bleiben und auch samstags
kommen, sagte eine Vertreterin der GFFB. Das Bündnis möchte außerdem
Familien-Info-Cafés nach dem Vorbild der Einrichtung beim Kinderbüro in
der Schleichermacherstraße 7 gründen. In der Einrichtung im Nordend
können sich Familien treffen. Rund 500 Adressen, die für sie
interessant sein können, liegen dort bereit. „Viele Menschen kennen die
Angebote in Frankfurt nicht“, sagte die Leiterin des Kinderbüros,
Gabriele Mankau, bei der Projektvorstellung. Im Monikahaus, einem
Jugendheim des Sozialdienstes Katholischer Frauen im Gallus, und in der
Katholischen Familienbildungsstätte Nordweststadt würden entsprechende
Info-Cafés entstehen.
Weitere Einrichtungen, auch Kindertagesstätten, die daran Interesse
haben, könnten sich bewerben. Das Kinderbüro schule die Mitarbeiter und
stelle 1500 Euro zur Unterstützung zur Verfügung. Ein weiteres
Bündnis-Projekt ist die Umwandlung von Schulhöfen zu Freizeittreffs für
die ganze Familie. Ein Beispiel dafür ist die Uhlandschule im Ostend,
wo mit Unterstützung der FR-Schlappekicker-Aktion Spiel- und
Bewegungsangebote eingerichtet wurden. Der Schulhof ist an zwei Tagen
pro Woche geöffnet. Sportstudenten betreuen die Familien.
Für nächstes Wochenende lädt das Bündnis zur ersten Frankfurter
Familienmesse in den Zoo. Die Besucher können sich dort über bestehende
Angebote für Familien in Frankfurt informieren.
Ebeling verwies darauf, dass die Stadt, unabhängig von den Ideen des
Bündnisses, in den nächsten Jahren viel Geld in die Kinderbetreuung
investieren werde. Seit 1. September sei das letzte Kindergartenjahr
beitragsfrei. Nach und nach sollen von nächstem Jahr an zwei
Erzieherinnen eine Gruppe betreuen, bislang liege der Schlüssel bei 1,5
Stellen pro Gruppe. 160 neue Stellen bei städtischen
Betreuungseinrichtungen und 240 bei freien Trägern würden dadurch bis
2010 geschaffen, sagte Ebeling. In der Endphase bedeute das zusätzliche
Kosten von rund 31 Millionen Euro pro Jahr. Die Kitas sollen außerdem
länger geöffnet sein. Schon jetzt hätten 135 Frankfurter Einrichtungen
in den Morgenstunden teilweise von 7 Uhr an und abends bis nach 18 Uhr
geöffnet. Dieses Jahr kämen 25 weitere hinzu.
Dem Bündnis für Familien stehen in diesem Jahr 100 000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommt Geld von Stiftungen und aus Spenden.
Markus Dobstadt
Notfallkindergarten Elbi-Strolche, Elbinger Straße 7, Telefonnummer 97776-200