Frankfurter Rundschau vom 12.09.2006

Notfallkindergarten erleichtert Eltern den Alltag

Einrichtung nimmt Jungen und Mädchen auf, deren regulärer Kindergarten geschlossen hat/Erste Projekte des Bündnisses für Familien


Das vor einem Jahr gegründete Bündnis für Familien will mit einer Reihe von Projekten die Stadt kinderfreundlicher machen. Für nächsten Sonntag ist im Zoo eine Familienmesse geplant, bei der sich rund 30 Einrichtungen, Ämter und Vereine vorstellen werden.


Frankfurt. Ein Jahr lang haben sich in neun Arbeitsgruppen unter Federführung des Kinderbüros Vertreter von Einrichtungen und Ämter, Vereine, Firmen und Eltern regelmäßig getroffen, um Ideen zu entwickeln. „Es ist ein sehr breites Bündnis“, sagte Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Bündnis 90/Die Grünen) bei der Vorstellung der Projekte. Ein Projekt, das daraus entstand, ist der Notfallkindergarten. Die Elbi-Strolche, eine Kindertagesstätte der gemeinnützigen Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft am Industriehof, betreut nun auch Kinder, deren Kindergarten, den sie normalerweise besuchen, geschlossen hat oder deren Eltern aus anderen Gründen rasch eine Betreuung benötigen.

Die Strolche nehmen Kinder vom Säuglingsalter bis zu zwölf Jahren auf, die Betreuung kostet drei Euro pro Stunde, maximal zwölf Euro am Tag. Bei Bedarf können die Kinder bis 22 Uhr bleiben und auch samstags kommen, sagte eine Vertreterin der GFFB. Das Bündnis möchte außerdem Familien-Info-Cafés nach dem Vorbild der Einrichtung beim Kinderbüro in der Schleichermacherstraße 7 gründen. In der Einrichtung im Nordend können sich Familien treffen. Rund 500 Adressen, die für sie interessant sein können, liegen dort bereit. „Viele Menschen kennen die Angebote in Frankfurt nicht“, sagte die Leiterin des Kinderbüros, Gabriele Mankau, bei der Projektvorstellung. Im Monikahaus, einem Jugendheim des Sozialdienstes Katholischer Frauen im Gallus, und in der Katholischen Familienbildungsstätte Nordweststadt würden entsprechende Info-Cafés entstehen.

Weitere Einrichtungen, auch Kindertagesstätten, die daran Interesse haben, könnten sich bewerben. Das Kinderbüro schule die Mitarbeiter und stelle 1500 Euro zur Unterstützung zur Verfügung. Ein weiteres Bündnis-Projekt ist die Umwandlung von Schulhöfen zu Freizeittreffs für die ganze Familie. Ein Beispiel dafür ist die Uhlandschule im Ostend, wo mit Unterstützung der FR-Schlappekicker-Aktion Spiel- und Bewegungsangebote eingerichtet wurden. Der Schulhof ist an zwei Tagen pro Woche geöffnet. Sportstudenten betreuen die Familien.

Für nächstes Wochenende lädt das Bündnis zur ersten Frankfurter Familienmesse in den Zoo. Die Besucher können sich dort über bestehende Angebote für Familien in Frankfurt informieren.

Ebeling verwies darauf, dass die Stadt, unabhängig von den Ideen des Bündnisses, in den nächsten Jahren viel Geld in die Kinderbetreuung investieren werde. Seit 1. September sei das letzte Kindergartenjahr beitragsfrei. Nach und nach sollen von nächstem Jahr an zwei Erzieherinnen eine Gruppe betreuen, bislang liege der Schlüssel bei 1,5 Stellen pro Gruppe. 160 neue Stellen bei städtischen Betreuungseinrichtungen und 240 bei freien Trägern würden dadurch bis 2010 geschaffen, sagte Ebeling. In der Endphase bedeute das zusätzliche Kosten von rund 31 Millionen Euro pro Jahr. Die Kitas sollen außerdem länger geöffnet sein. Schon jetzt hätten 135 Frankfurter Einrichtungen in den Morgenstunden teilweise von 7 Uhr an und abends bis nach 18 Uhr geöffnet. Dieses Jahr kämen 25 weitere hinzu.

Dem Bündnis für Familien stehen in diesem Jahr 100 000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommt Geld von Stiftungen und aus Spenden.
Markus Dobstadt

Notfallkindergarten Elbi-Strolche, Elbinger Straße 7, Telefonnummer 97776-200

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