Fechenheimer Anzeiger, 02.November 2006
Menschen fit machen für den Job - ein harter Job
Ein Stadtteilbüro für Fechenheim: Herausforderungen, Ziele und Erfolge der GFFB im Zusammenspiel mit den Bürgern
Fechenheim (mim). - Jessica Jane Clotten ist Projektkoordinatorin der
GFFB, des Stadtteilbüros in Fechenheim, das seit einem Jahr im
Stadtteil positiv von sich Reden macht. Was aber macht eine
Projektkoordinatorin genau? Wie sieht ihr Tagesablauf aus? Was macht
sie mit den Rat- und Hilfesuchenden, die zu ihr kommen? Bringt es
überhaupt was, sich an Jessica Clotten zu wenden? Was steckt hinter der
GFFB und dem Engagement im Stadtteil Fechenheim? Sind die so was wie
die Caritas oder eine Art Außenstelle des Arbeitsamtes? All diese
Fragen dürften für viele Bürgerinnen und Bürger in Fechenheim, die zwar
schon mal was von der GFFB oder vom Stadtteilbüro gehört haben, ein
Thema sein. Der Fechenheimer Anzeiger hat einmal nachgefragt, um diese
und noch ein paar andere Fragen beantwortet zu bekommen.
Jessica Clotten sitzt im hinteren Bereich des recht nett eingerichteten Stadtteilbüros in der Straße Alt-Fechenheim 81. Ein Schreibtisch, Computer, ein Besprechungstisch, ein paar Stühle, wenig Bilder, kaum Ablenkung. Vorne, im großen Raum sitzen Hans Voges, Gzella Kazimiesa und Yolcu Kezibon. Sie haben ebenfalls Computerbildschirme vor sich stehen, und sie sind recht guter Laune. Was machen diese Leute hier, ist die erste Frage. Jessica Clotten erklärt, dass es sich um Arbeitssuchende handelt, die hier zunächst einmal eine Anstellung gefunden haben. Unter der Anleitung und Aufsicht von Jessica Clotten führen diese Menschen Arbeiten aus, die im Stadtteilbüro täglich anfallen. Und das scheint eine ganze Menge zu sein.
Auf die Frage, was denn das Hauptziel des Stadtteilbüros sei, antwortet die Leiterin, dass man arbeitslosen Menschen helfen und gleichzeitig im Stadtteil einen Beitrag leisten möchte, dass alles ein wenig besser läuft. Bezüglich der Auswahl der Bereiche sei man genauso flexibel wie bei den Versuchen, bei schwierigen Probleme vielleicht einmal eine etwas unkonventionelle Lösung zu finden, wenn sich damit eine Besserung erreichen lässt. Man arbeitet inzwischen mit örtlichen Vereinen und Organisationen zusammen, um neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu entwickeln, die allen weiter helfen. Oberste Maxime ist, erwerbslosen Menschen eine Chance zu bieten, sich durch die geschaffenen Zusatzjobs beziehungsweise Arbeitsgelegenheiten besser für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Aus der Beschäftigung heraus sich für eine qualifizierte Tätigkeit zu bewerben, das ist das Credo der GFFB.
Ein weiteres Ansinnen ist es, im Stadtteil gemeinnützige Projekte anzustoßen. In dieser Hinsicht kann Jessica Clotten auf drei größere Projekte verweisen, von zwei bereits mit Erfolg abgeschlossen werden konnten.
Gemeinnützigkeit wird angestrebt
Das erste gemeinnützige Projekt war ein Kunstprojekt mit Kindern und Jugendlichen. Ziel war es, Kunst zu fördern und gleichzeitig das Verstehen des kreativen Prozesses einzuleiten. Dass sich hier auch verschiedene Kulturen begegneten und auf dieser Ebene näher kamen, dürfte außer Frage stehen. Wie wichtig dieser Schritt für ein weiteres beziehungsweise permanentes Aufeinanderzugehen ist, sicher auch.
Nachdem das Kunstprojekt mit einer großen Vernissage in der Heinrich-Kraft-Schule abgeschlossen werden konnte, stand es für alle Beteiligten außer Frage, dass es eine Fortsetzung geben wird. Die Exponate konnten übrigens auch käuflich erworben werden. Jessica Clotten hat sich gleich für drei Kunstobjekte entschieden, die nun die Wohnung der Diplom Soziologin zieren.
Das zweite Projekt des Stadtteilbüros Fechenheim zielte schon mehr in den Bereich Beschäftigungsorganisation. Hier wurde im Rahmen des Projektes Stadtteilverschönerung ein Arbeitssuchender für eine begrenzte Zeit eingesetzt, um sich bei der Verschönerung Fechenheims nützlich zu machen. Die Tätigkeit, das wird betont, sei keine klassische Ortsdienertätigkeit, wie man sie aus anderen Stadtteilen kennt. Allerdings arbeitet ein Ortsdiener in Fechenheim Nord. Der Mann für die Stadtteilverschönerung, der Fechenheimer Anzeiger berichtete darüber, kümmerte sich noch bis vor kurzem um die Pflege des Kleedreiecks, um Pflanzungen von Blumenzwiebeln, um die Beseitigung von Unkraut, die Reparatur von Vogelhäuschen und andere Dinge, die stets ins Auge fallen und den Satz provozieren: Hier müsste mal was passieren. Die Betreuung erfolgte durch den Gewerbeverein Fechenheim und natürlich in erster Linie durch die GFFB.
Die Leiterin machte deutlich, dass man für das kommende Frühjahr die Einstellung eines klassischen Ortsdieners auch für den südlichen Bereich Fechenheims plane.
Eventuell wird das Projekt aber auch wegen seines Erfolges in dieser Form fortgeführt. Es sei noch in der Schwebe. Warum, wollte der Fechenheimer Anzeiger wissen. Das seien andere Entscheidungshintergründe, auf die man bei der GFFB keinen direkten Einfluss habe und bei der Stadt Frankfurt lägen, war die Antwort. Von der Oberbürgermeisterin Petra Roth wurde zudem bereits ein neues, interessantes Ortsdienerkonzept vorgestellt.
Als dritte und noch mit Erfolg laufende Aktion verwies die Leiterin auf die Lebensmittelausgabe von "Brot & Salz". Auch hier berichtete der Fechenheimer Anzeiger mehrmals darüber. "Brot & Salz" für Fechenheim Süd und Nord läuft seit Mai 2006. Die Ausgabe der Lebensmitteltüten zum Preis von einem Euro erfolgt zweimal wöchentlich und wird vom Sozialbezirksvorsteher Nord, Günter Ebisch, organisiert.
Ihm zur Seite stehen Inge Wüstenfeld vom Christlichen Zentrum und Jessica Clotten für die GFFB.
Unterstützt wird das Projekt von der Frankfurter Tafel und vielen Spendern aus allen Bereichen der Bevölkerung.
Dennoch liegt das Hauptaugenmerk der GFFB auf der Beratung und Betreuung von Arbeitslosen. Hier arbeitet man eng mit dem jeweiligen Jobcentern zusammen.
Hauptaugenmerk auf Arbeitslose
Doch darf man die Tätigkeit der GFFB nicht mit der Tätigkeit eines der früheren Arbeitsämter, heute Jobcentern vergleichen. Da steckt wesentlich mehr dahinter, wie Jessica Clotten feststellt.
Ausgehend von den verschiedenen Altersgruppen, die von arbeitslosen Jugendlichen, bis zu Arbeitslosen reichen, die nur noch wenige Jahre bis zu ihrer Berentung haben, gibt es unterschiedliche Betreuungs-, Beratungs-, Förder- und Schulungsprogramme. Es versteht sich von selbst, dass ein Lehrstellen suchender Jugendlicher anders beraten und geführt werden muss, als ein Arbeitsloser, der den Prozess des immer wieder Arbeitsloswerdens kennt und aus diesem Grunde zu einem schwierigeren Fall geworden ist.
Bei Jessica Clotten scheinen alle Rat- und Hilfesuchenden in recht guten Händen.
Auch die Diplom Soziologin weiß, was es heißt, ins kalte Wasser zu springen. Nach ihrem Studium in Berlin arbeitete sie bei einem großen deutschen Unternehmen in der Marktforschung.
Der Erfolg stieg ihr nicht Kopf, aber sie erkannte, dass es für sie noch etwas anderes geben muss, was ihren Fähigkeiten angemessener ist. In Frankfurt wurde eine Projektkoordinatorin für ein Stadtteilbüro gesucht. Jessica Clotten schaute sich das ausgeschriebene Profil genauer an und sprang ins kalte Wasser. Ihren Umzug von Berlin nach Fechenheim hat sie nicht bereut. Obwohl, das gibt sie zu, am Anfang massive Ängste da waren, eventuell von den Menschen nicht angenommen zu werden.
Welch eine ideale Gesprächspartnerin für rat- und hilfesuchende Menschen, die eine Chance suchen, über die Anerkennung durch eine Beschäftigung, oder in einem Beruf, auch wieder zu sich selbst zu finden.