Frankfurter Rundschau, S. 35; 03.11.2006

Notfall-Betreuung für die Kleinen

Bei den Elbi-Strolchen und im Verein Kaleidoskop kommen Kinder auch kurzfristig unter


Eltern, die kurzfristig oder für nur wenige Stunden eine Kinderbetreuung suchen, können sich an Einrichtungen in Bockenheim und Heddernheim wenden.


(FR) Frankfurt - Julia Hennes arbeitet zehn Stunden pro Woche als Juristin in einem Unternehmen. Manchmal kommt sie am Vormittag, dann am Nachmittag, teilweise arbeitet sie zu Hause. Sie benötigt jemanden, der in dieser Zeit ihren eineinhalbjährigen Sohn Hugo betreut. "Ich habe keine Oma in der Nähe", sagt sie. Hennes geht in die Betreuungseinrichtung Elbi-Strolche der Gemeinnützigen Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft (GFFB) in Bockenheim, die unweit ihrer Firma liegt. Der Junge "wird hier gut betreut", meint die Mutter. Ihn in eine Krippe "für fünf Tage abgeben, das möchte ich nicht", sagt sie.

Alternative in den Ferien

Rund 70 Quadratmeter groß ist der einzige Raum der Elbi-Strolche, er ist hell und freundlich, Spielzeug und Bücher liegen in Regalen bereit. Der eineinhalbjährige Junus sitzt auf dem Boden und stapelt Bauklötze. Die zehnjährige Julia hat sich zu ihm gesetzt und baut ein kleines Schlösschen. Julias Mutter Isabel Veit ist arbeitslos und nimmt an einem Qualifizierungskurs der GFFB teil, der ihr kaufmännische Kenntnisse vermittelt. Es sind Herbstferien, die Schule ist geschlossen, eine andere Betreuungsmöglichkeit hat die Mutter nicht. "Ich könnte den Kurs sonst nicht machen", sagt sie. Er soll ihre Chancen auf eine Stelle verbessern.

Zwischen 7.30 und 18.30 Uhr können Kinder wochentags bei den Elbi-Strolchen abgegeben werden, spontan, auch in den Ferien. Bei Anmeldung drei Tage vorher sogar bis 22 Uhr, was bislang noch nicht vorkam. Auch samstags ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Seit 1. Oktober gelten die verlängerten Öffnungszeiten. Vorher war die Einrichtung, die seit vier Jahren besteht, montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags bis 15.30 Uhr geöffnet. 13 Kinder sind seit Oktober hinzu gekommen. Es lasse sich gut an, sagt die Leiterin der Elbi-Strolche, Silvia Schulz-Müller. Sie empfiehlt Eltern, ihr Kind bei Besuchen einzugewöhnen.

Die Diplom-Pädagogin Nicole Lobo leitet in der Einrichtung Anleiterin sechs Betreuerinnen an, die als Ein-Euro-Jobberinnen dort tätig sind. Das heißt, sie sind arbeitslos und nutzen die meist neunmonatigen "Arbeitsgelegenheiten" zur Qualifizierung, manche beginnen danach mit einer Erzieherinnen-Ausbildung. Alle haben "Erfahrung im Umgang mit Kindern", sagt Schulz-Müller. Wie eine 31-Jährige, die aus Sibirien stammt und dort in Kindergärten als Musiklehrerin tätig war. Andere sind Sozialassistentinnen, die in Kindergärten Erzieherinnen unterstützen können, oder haben als Tagesmütter gearbeitet. An diesem Vormittag betreuen zwei Erwachsene fünf Kinder.
Die Öffnungszeiten wurden verlängert, weil die Einrichtung vom Frankfurter Bündnis für Familie profitiert. Die BGAG-Stiftung Walter Hesselbach finanziert es mit 10 000 Euro für ein halbes Jahr. Auch die zweite Jahreshälfte wäre, wenn das Angebot ankommt, finanziell durch sie abgesichert.

Räume zu groß

Außer den Elbi-Strolchen betreut seit April der Verein Kaleidoskop in Heddernheim im Notfall Kinder. "Durch glückliche Umstände haben wir die Möglichkeit bekommen, ein Haus zu mieten", erläutert Geschäftsführerin Sandra Lorenz. Für das Büro von Kaleidoskop, der Ferienspiele für die Städte Oberursel, Kronberg, Hanau und Offenbach organisiert, sind die Räume aber zu groß. Daher richteten die Beschäftigten sie für die Betreuung her. Kinder können dort spontan vorbeigebracht werden. Es wird für die Eltern aber preiswerter, wenn sie ihr Kind tags zuvor anmelden. Das erleichtert die Planung, die Spontanbetreuung sei "nur für absolute Notfälle", sagt Lorenz.

Zwei bis fünf Kinder seien täglich in den beiden Räumen, berichtet Lorenz. Betreut werden sie von einer Sozialpädagogin, eine weitere kommt bei Bedarf hinzu. "Wir sind sowieso da", sagt sie. Der Verein beschäftigt zwei Sozialarbeiterinnen und eine Sozialarbeiterin im Anerkennungsjahr nach dem Studium. Hinzu kommen Studenten als Honorarkräfte. Geöffnet ist die Einrichtung für zwei bis Zwölfjährige montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr, bei Anfrage auch länger. Und bis Weihnachten auch samstags von 9 bis 12 Uhr. Ab 14.30 Uhr bietet der Verein samstags Workshops an. Betreut werden die Kinder maximal zwölf Stunden pro Woche. Bei einer längeren Betreuungszeit gelte eine Einrichtung als Kindertagesstätte und müsste zusätzliche Auflagen erfüllen, berichtet Lorenz. Markus Dobstadt

Kinderbetreuung Elbi-Strolche,
Elbinger Straße 7, für Kinder bis zwölf Jahre.
Gebühr: für jede angefangene Stunde drei Euro, maximal zwölf Euro am Tag, für Geschwister zwei Euro pro Stunde, maximal acht Euro am Tag.
Essen und Trinken für den Tag bringen Eltern mit.
Telefonnummer 9 77 76 - 200.

Die Internetseite www.elbi-strolche.de soll ab 10. November online sein.
Arbeitslose Männer und Frauen qualifiziert die gemeinnützige Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft.

Verein Kaleidoskop,
Alt-Heddernheim 27, Telefonnummer 95 90 88 16.
Gebühr bei Anmeldung am Vortag: Sechs Euro pro Stunde während der ersten vier Wochenstunden, fünf Euro während der zweiten vier Wochenstunden, danach vier Euro pro Stunde. Bei Spontanbetreuung erhöht sich der Preis um zwei Euro pro Stunde.
dob

Stellenausschreibung    Kontakt    Newsletter    Presse    Seite drucken    Impressum