Frankfurter Rundschau vom 20.03.07

Einkaufsservice für Gehbehinderte kommt gut an

Initiative zählt 36 Stammkunden / Langzeitarbeitslose organisieren Besorgungen und entwickeln Perspektiven.


Der Einkaufsservice der Beschäftigungsgesellschaft GFFB, der 2006 gegründet wurde, entwickelt sich zum Erfolg. Die Zahl der Kunden wächst.


Eckenheim. Cäcilie Markgraf ist froh, dass es den Einkaufsservice der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft GFFB gibt. Die 84-Jährige hat seit Jahren eine Gürtelrose und deshalb starke Schmerzen. Sie geht kaum mehr aus dem Haus. Für sich und ihren erblindeten 85-jährigen Lebensgefährten einzukaufen ist ihr unmöglich. Manchmal hat ihre 61-jährige Tochter, die gehbehindert ist, Besorgungen für sie gemacht. Doch "sie tut mir einfach zu leid", sagt Cäcilie Markgraf.

Auch wenn sie oder ihr Partner zum Arzt oder einer Behörde müssen, können sie den Service in Anspruch nehmen und sich begleiten lassen. Eine winzige Fahne mit ihrem Namen steckt im Stadtplan, den Koordinatorin Annemie Pauli im GFFB-Stadtteilbüro aufgehängt hat. Weitere fünf Fähnchen markieren die Wohnorte anderer Stammkunden. Das Liefergebiet umfasst neben Eschersheim die benachbarten Stadtteile Dornbusch und Preungesheim. 2006 startete der Einkaufsservice, der von den Sozialrathäusern und dem Rhein-Main-Jobcenter unterstützt wird, in Bockenheim. Gegenwärtig hat er 30 Stammkunden.

Das Telefon klingelt, Walter Trapp (Name von der Redaktion geändert) nimmt ab. Eine ältere Dame interessiert sich für den Lieferservice. Mit Ruhe und Freundlichkeit beantwortet der 51-jährige Industriekaufmann, der als Administrator alle Daten in den PC eingibt und den Service organisiert, ihre Fragen. Vor drei Jahren verlor Trapp seinen Job. Für jede Stunde, die er im GFFB-Büro arbeitet, erhält er 1,50 Euro zusätzlich zum Arbeitslosengeld. Außerdem kann er an Fortbildungen teilnehmen, Bewerbungen im Büro verfassen und im Rahmen der Best Agers-Kampagne für Arbeitslose über 50 einen Coach in Anspruch nehmen.

Sabine Birger (Name von der Redaktion geändert) kommt ins Büro. Die 43-jährige alleinerziehende Mutter startet zur Einkaufstour. Sie trägt einen Parka, an dessen Revers ihr Dienstausweis steckt. In der einen Hand hält sie einen Regenschirm, mit der anderen zieht sie einen Einkaufswagen. Parka, Schirm und Wagen sind dunkelblau und mit dem Logo der Einkaufsservice-Initiative versehen. Sabine Birger hat zwei Stammkundinnen. Eine begleitet sie beim Einkaufen, der anderen bringt sie "Dinge des täglichen Bedarfs", auf die sich der Service beschränkt, nach Hause. Sie hat keine Ausbildung, verbindet mit ihrem 1,50 Euro-Job aber Hoffnungen. Sie könne sich eine Beschäftigung im Alten- und Pflegebereich gut vorstellen.

Ausbildungsangebote einzelner Alteneinrichtungen gebe es durchaus, sagt Annemie Pauli. Zudem sei die GFFB behilflich. " Wir haben wichtige Firmenkontakte", sagt Pauli. "Wir möchten den Arbeitgebern zeigen, was Menschen können und leisten und uns nicht so sehr auf Papiere wie den Lebenslauf konzentrieren. Annette Wollenhaupt

Weitere Informationen zum Einkaufsservice der GFFB und Auftragserteilung unter Telefon 9 54 11 87 80

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