Eckenheim. Ille Oxanas „Traum“ ist leicht wie eine Feder: Eine Ballerina, zart und zerbrechlich vor braunem Hintergrund eingefangen. Wenn man die Augen schließt, beginnt die Figur zu tanzen, während Golovin Alla Klavier spielt. Szenen aus der Ausstellung „Die Welt meiner Seele“ der Deutschen Jugend aus Russland (DJR), die nun im Stadtteilbüro der GFFB zu sehen ist.
30 Bilder von 18 Künstlern zwischen zehn und 22 Jahren umfasst die Ausstellung, die einen Querschnitt der Arbeit der DJR-Künstlergruppe „Artischok“ darstellt: Seien es Portraits, Landschaften, fernöstliche Stadtszenen oder Phantasiebilder – die Motive sind vielfältig wie die Maltechniken. Anna Kostina stellt das Bild vor, das der Ausstellung den Namen gegeben hat: „In ‚Die Welt meiner Seele' zeige ich eine Verschmelzung von Tier und Mensch“, sagt 21-Jährige. „Ich habe Waben und Spinnennetze eingearbeitet, aber für die Tiere untypische Farben gewählt – dies sind die Farben meiner Seele.“
Zu Allas Klavierbegleitung streifen die Besucher durch die Räume. Ihr Weg führt vorbei an Bildern wie dem namenlosen Werk von Marina Anhalt, die auf einer Leinwand ein dreidimensionales Gesicht angebracht hat, umgeben von sorgfältig nachgearbeiteten Seidentüchern. Ein anderes Werk zeigt zwei „Freundinnen“. Die Frauen haben die Köpfe zusammengesteckt, als wollten sie ein Geheimnis austauschen. „Ich möchte hiermit eine an sich alltägliche Szene vorstellen und zeigen, wie viel sie eigentlich bedeutet“, erklärt die 21-jährige Malerin Julia Firsanow. „Die beiden haben etwas gemeinsames, und das ist mir wichtig.“ Firsanow malt, seit sie sich erinnern könne. „Ich bin ein großer Freund von kräftigen Farben.“ Das starke Rot in den Haaren oder das satte Grün im Hintergrund zeigen diese Liebe deutlich. „Die Konturen des Bildes habe ich mit Ölkreide gemalt, und die Flächen habe ich mit Wasserfarben gestaltet“, erläutert sie ihre Vorgehensweise. Oxana hat sich indessen entschieden, für ihre Ballerina mit verdünnter Acrylfarbe auf dunkler Pappe zu arbeiten. „Dadurch entsteht eine besonders leichte Wirkung, und der Hintergrund scheint durch die Figur.“
Im März wurde die Gruppe „Artischok“ aus dem DJR, der seit 1999 in Eckenheim angesiedelt ist, ein Jahr alt. „Die Mitglieder haben schon jetzt mehr als 60 Bilder fertig gestellt“, erklärt Jugendclub-Leiterin Natalia Wagner. „Zusätzlich zu den 18 Jugendlichen haben wir zwölf Kinder von sechs bis zehn.“ Aufgabe des Vereins sei es, Jugendlichen – keineswegs nur Russen – zu helfen, sich in Deutschland zu integrieren, Kontakte zu knüpfen und ihr Leben leichter gestalten zu können. „In der Künstlergruppe aber herrscht eine Sprache, die alle verstehen.“
Es handele sich um die erste Ausstellung der Selbsthilfegruppe in den Räumen der GFFB. Sie sei eine ideale Gelegenheit für die jungen Künstler, ihre Werke von der Öffentlichkeit bewerten zu lassen. Die Ausstellung läuft noch mindestens zwei Monate, sagt Annemie Pauli von der GFFB. Zu sehen ist die Schau im Stadtteilbüro in der Eckenheimer Landstraße 461 montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags bis 14 Uhr. (me)