Frankfurter Neue Presse v. 31.05.2007
Fechenheim. Manchmal passiert es ganz schnell. Der Joghurtbecher rutscht im Kühlschrank nach hinten, gerät in Vergessenheit und schon ist das Verfallsdatum erreicht. Auf diese Weise landen täglich Lebensmittel im Müll. „In einer Studie habe ich gelesen, dass 33 Prozent des gekauften Essens unangetastet weggeworfen wird“, sagt Inge Monika Wüstefeld. Gleichzeitig hätten viele Menschen auch in der Nachbarschaft nicht genug zu essen. Das ließ die Mitarbeiterin des Christlichen Zentrums Frankfurt (CZF) nicht mehr los. Gemeinsam mit dem Stadtteilbüro der GFFB und der Unterstützung des Sozialbezirksvorstehers Fechenheim-Nord, Günter Ebisch rief sie deshalb vor einem Jahr das Projekt „Brot und Salz“ ins Leben. Zwei Mal in der Woche geben sie Care-Pakete an bedürftige Menschen aus. Nach einem Jahr Engagement zogen die Beteiligten nun zum ersten Mal Bilanz.
„Zu unserer ersten Ausgabe kamen etwa 40 Leute. Inzwischen haben wir 200 Besucher in der Woche“, weiß Projektleiterin Wüstefeld. 50 Tonnen Lebensmittel haben sie im vergangenen Jahr bewegt, 6500 Pakete wurden gepackt, 5000 Arbeitsstunden haben die Helfer geleistet. 600 Bedürftige sind inzwischen bei „Brot und Salz“ registriert. Manche kommen jede Woche, andere nur am Monatsende. Die Spenden stammen von Großunternehmen, zwei Mal in der Woche gibt es Obst und Gemüse vom Frischezentrum, aber auch Privatleute spenden. „Nach Ostern hat jemand zum Beispiel 1800 Eier vorbei gebracht, dann gibt’s mal 50 Pakete Plätzchen“, sagt Wüstefeld. 90 Prozent der weitergegeben Lebensmittel stammen aus Spenden, den Rest kaufen die Organisatoren hinzu. Mangel besteht vor allem an Konserven, Nudeln, Reis und Brot. Einmal in der Woche wird das Projekt von der „Frankfurter Tafel“ unterstützt. „Wir haben inzwischen ein gutes Netzwerk aufgebaut. Was nicht gebraucht wird, geben wir an Diakonie oder Obdachlosenzentrum weiter.“ So fänden alle Spenden Verwendung.
Unterstützung kann das Projekt aber nach wie vor gebrauchen. Neben weiteren Lebensmittelspenden fehlt auch einiges zur Organisation der Arbeit. Bisher wurden Brot, Obst und Gemüse immer mit einem kleinen Bus des CZF transportiert. „Dieses Auto ist aber eigentlich für Personen gemacht und inzwischen viel zu klein.“ Inge Monika Wüstefeld und ihre Mitstreiter träumen von einem kleinen Transporter. Doch bisher reicht das Spendenaufkommen für diese Investition nicht. „Wir haben etwa 8000 Euro zusammen, gebraucht werden aber mindestens 10- bis 12 000 Euro.“ Auch ein neuer Laptop würde die Arbeit des Teams erleichtern. Zudem würde Frau Wüstefeld ihren Besuchern auch noch mehr geben. „Ein Pfund Kaffee oder frischen Kuchen, eben ein bisschen Luxus, auch das möchte ich den Menschen gerne zuteil werden lassen.“
Doch es ist nicht allein die Versorgung, die jede Woche 200 Menschen aus Fechenheim, dem Riederwald und Bergen-Enkheim ins CZF oder ins Stadtteilbüro zieht. „Wir legen viel Wert auf das persönliche Verhältnis. Anerkennung und Wertschätzung sind oft ebenso wichtig wie ein gefüllter Kühlschrank.“ Die meisten Besucher kennen die Mitarbeiter persönlich. Kommt jemand längere Zeit nicht, wird nachgefragt. „Viele leiden unter der gesellschaftlichen Isolation, haben niemand, mit dem sie sich über ihre Belange austauschen können“, weiß die Leiterin des Stadtteilbüros Jessica Jane Clotten. Deshalb denken sie nun darüber nach, eine Suppenküche einzurichten. (kan)