Fechenheim (mim).-„ Viele von uns leben im Überfluss – manchen fehlt das Nötigste zum Überleben. Doch jeder kann dazu beitragen, damit dieses Ungleichgewicht wieder gerechter wird“, stellt das Christliche Zentrum Frankfurt (CZF) in einem Schreiben zum einjährigen Jubiläum fest. Ähnlich lautet auch der Leitsatz des Gemeinschaftsprojektes „ Brot und Salz“ das vom CZF, dem GFFB, Stadtteilbüro Fechenheim und dem Sozialbezirksvorsteher Fechenheim-Nord, Günter Ebisch, verantwortet wird. Seit einem Jahr nun wird von diesen drei Säulen ein soziales Engagement getragen, dass 50 Tonnen Lebensmittel an bedürftige Menschen verteilt hat. 90% davon waren gespendete Lebensmittel, der Rest wurde wiederum durch Spendengelder zugekauft.
Zum Empfang im Christlichen Zentrum Frankfurt in der Salzschlirfer Straße 15 in Fechenheim Nord waren viele Gäste gekommen. So konnte die Projektleiterin der CZF, Monika Wüstefeld, dem Sozialbezirksvorsteher Günter Ebisch mit seiner Frau Christel Ebisch begrüßen. Ferner Helmut Sittler mit seiner Frau Johanna, Pfarrer Karl Langensiepen von der evangelischen Melanchtongemeinde, die Sprecherin des Runden Tischs, Margita Vietsch, Jessica Jane Clotten vom GFFB (Projektleitung Personaleinsatz im Rahmen des Projekts) und nicht zuletzt die vielen Helferinnen und Helfer, die nun ein Jahr lang im ehrenamtlichen Einsatz dafür sorgten, dass 50.000 Kilogramm Lebensmittel, regelmäßig, zweimal pro Woche, an Bedürftige verteilt werden konnten. Pro Person und Ausgabe erhalten die Menschen zwei Lebensmittelbeutel. Wobei der eine Beutel mit Obst und Gemüse gefüllt ist, der andere mit Lebensmittel des täglichen Bedarfs.
Wie Stefan Krämer, der Mann, der fast alles kann, auch die „Nervensäge“ genannt, in seinem lichtbilderunterstützten Vortrag feststellen konnte, bedarf es eines nicht geringen logischen Einsatzes, um in der Vorbereitungsphase die Verteilung der Lebensmittelpakete zu bewerkstelligen. Die Verantwortlichen und ehrenamtlichen Helfer sind an mehreren Tagen in der Woche damit beschäftigt, die Lebensmittel dort einzusammeln, wo sie zur Verfügung gestellt werden. Da wäre zum Beispiel der „Frischemarkt“ in Kalbach. Hier gibt es einige Anlaufstellen. Auch Ware, die am normalen Markt absolut topp ins Angebot gehen würde, können durch die Spendenfreude mancher Händler des Frischezentrums abgefahren werden. Das Abfahren wird allerdings immer mehr zu einem Problem. Wie Krämer feststellte, sei es mit dem Lieferfahrzeug, über das man noch verfügen könne, nicht mehr allzu weit her beziehungsweise sei es zu klein für die Aufgabe geworden.
Er appellierte daher an seine Zuhörer, dass sie sich eventuell einmal umhören sollten, ob nicht ein kostengünstiges Fahrzeug irgendwo angeboten würde. Er habe für diesbezüglichen Angebote immer ein offenes Ohr, so Krämer. Dass dieser Mann für die CZF kaum zu ersetzen ist, bemerkte Monika Wüstefeld in ihrer Begrüßungsansprache, dies wurde sicher auch vielen Anwesenden allein anhand des professionellen Vortrags von Stefan Krämer klar: Leider, so Wüstefeld, könne man Stefan Krämer nicht einstellen, da hierzu leider das Geld fehle. Das gesamte Projekt „Brot und Salz“ steht und fällt mit dem Ehrenamt. Als Mitinitiator weiß Günter Ebisch ein Lied davon zu singen. Alle, die in diesem Jahr mit zugepackt haben, wissen, wie schwer die Anfangsphase war. Der Weg von der Idee zu einer erstklassig funktionierenden Einrichtung hatte schon bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten eine erste Hürde zu überwinden. Es vergingen Monate, bis alles für den Start bereit war. Man musste das Konzept erstellen und an entsprechenden Stellen auch vortragen können. Sponsoren wurden gesucht, Spendengelder eingesammelt . Als Segen wird die Vermittlung von fünf Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose durch die GFFB bezeichnet.
Sozialbezirksvorsteher Nord, Günter Ebisch, habe seine Kontakte eingebracht infolgedessen das Sozialrathaus Bergen-Enkheim schließlich Räumlichkeiten in der Straße Alt Fechenheim für die Lebensmittelausgabe am Freitag zur Verfügung gestellt habe. Die CZF als offizieller Träger des Projekts bringt einen Großteil der Ressourcen, wie zum Beispiel das bereits erwähnte Fahrzeug, Räumlichkeiten und nicht zuletzt auch finanzielle Mittel ein. Besonders erfreulich ist es, dass sich auch Gemeindemitglieder am Projekt beteiligen und ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Nicht zu vergessen, die „Frankfurter Tafel“, die sich bereiterklärte, einmal pro Woche mit Lebensmittel aus ihrem eigenen Spendenaufkommen unterstützend tätig zu werden. Auch konnten Firmen gewonnen werden, die „Brot und Salz“ regelmäßig mit Lebensmittel beliefern. Als am 19. Mai 2006 die erste Ausgabe der Lebensmittelbeutel, für die pro Beutel ein Euro und das Vorlegen des Frankfurt-Passes oder ein ähnlicher Nachweis der Bedürftigkeit gefordert wurde, waren 40 Personen in der Ausgabestelle in Fechenheim Nord gezählt worden, die dankbar die Lebensmittelpakete in Empfang nahmen. Bei der Lebensmittelausgabe in Alt Fechenheim war auch der Fechenheimer Anzeiger anwesen und konnte sich ein Bild von der schon recht gut funktionierenden Vergabe machen. Mittlerweile kommen jede Woche über 200 Menschen zu den beiden Ausgabestellen. Man habe in dem Jahr seit Bestehen von „Brot und Salz“ keine erwähnenswerte Klage über die Qualität der Lebensmittel gehört.
Zu klagen hatten auch die Feiergäste nicht, denn sie erwartete leckere Häppchen und prickelnde Getränke. Aber auch für Auge und Ohr wurde einiges geboten. So trugen die beiden Gemeindemitglieder Lea Gepard (Diplomierte Sängerin für Opern- und Konzertgesang) und die Pianistin Suzanne Reeber (Ko-Repetitorin) Lieder aus ihrem gemeinsamen Repertoire vor: Sie hatten sich unter anderem für die A-Dur-Messe von Cesar Franck „Pagnis angelians“ (Engelsbrot) entschieden. Das kam gut an beim Publikum.
Nicht unterschlagen werden soll die freundliche Begrüßung zur Feier des Einjährigen durch den leitenden Pastor der Evangelischen Freikirche, Gerold Wienbeuker, der in seiner Begrüßungsansprache feststellte, dass Kirche nur dann Kirche sei, wenn sie den Menschen in der Not helfe. Er nahm damit Bezug auf ein gleichlautendes Zitat von Karl Friedrich Bonhoeffer.