Frankfurter Rundschau / Samstag 4. August 2007 / 63. Jahrgang Nr. 179
Von Andreas MüllerDie ersten Bedürftigen kommen mitunter schon zwei Stunden, bevor die begehrten Verpflegungstüten für einen Euro ausgegeben werden.“ Da kann man mal unter Leute kommen und ein bisschen schwätzen“, sagen zwei Frauen ganz vorn in der Schlange. Beide haben sich im Laufe der vergangenen Monate angefreundet.
Das wichtigste aber sind für sie und ihre Familien die drei prall gefüllten Plastiktüten, die sie gleich bekommen werden: Eine mit Lebensmitteln wie Brot, Nudeln, Wurst und Joghurt. Die zweite mit Obst, die andere mit Gemüse.“ Dass es so etwas hier gibt, ist wirklich ganz toll. Gerade Obst und Gemüse könnten wir uns bei den Preisen im Handel überhaupt nicht leisten“, sagen sie.
Großer Andrang
Fast einhundert bedürftige Menschen kommen jeden Mittwoch zum Christlichen Zentrum Frankfurt (CZF) an der Salzschlirfer Strasse, wenn dort zwischen 16Uhr und 17 Uhr Verpflegungspakete ausgereicht werden. Genau so groß ist der Andrang freitags zwischen 12 Uhr und 13 Uhr in der Beratungsstelle des Sozialrathhauses in Alt-Fechenheim.
Doppelt anstellen ist nicht erlaubt, außerdem bedarf die Bedürftigkeit des Nachweises durch Frankfurt-Pass, Rentenbescheid oder per Schreiben vom Sozialamt.
Die Resonanz auf das Angebot ist gut,“ aber wir stoßen jetzt an unsere Grenzen“, sagt Inge Wüstfeld von der CZF-Gemeindeverwaltung, die im Mai 2006 das Projekt“ Brot und Salz“ gemeinsam mit dem Sozialbezirksvorsteher für Fechenheim-Nord, Günter Ebisch initiierte.“ Ich hatte über ein halbes Jahr nach einem Träger gesucht, der über die geeigneten Räumlichkeiten verfügt zur Lagerung der Lebensmittel“ , erinnert sich Ebisch an die Anfänge. Inzwischen ist die größte Herausforderung, immer wieder für Nachschub zu sorgen.
Pausenlos sind ein Dutzend Helfer aus dem CZF und Ein-Euro-Jobberinnen von der Frauen-Beschäftigungsgesellschaft im Einsatz. Mehrmals pro Woche ist der Transporter zum Frischemarkt in Bonames unterwegs. Ebenso regelmäßig werden Plus-Märkte im Osten abgeklappert, die zu den wichtigsten Spendern gehören.
Bis Wiesbaden würden sie fahren, wenn dort ein Supermarkt oder ein Händler Hilfe zusagte, sagt Wüstefeld.
Für den Sommer kam dem Projekt zupass, dass die Metzgerei Gref-Völsing eine Kühlzelle schenkte und mit einer Beihilfe von der Stadt ein großer Industrie -kühlschrank angeschafft werden konnte.
Einen Engpass gibt´s derzeit nur bei Brot. Weil alle Großbäckereien im Umkreis mit anderen Sozialprojekten verbandelt sind, sucht die Aktion“ Brot und Salz“ ausgerechnet beim Namen gebenden Grundnahrungsmittel eine Partner. Wo Zukäufe nötig sind, wird das so gut es geht aus Spenden finanziert. An manchen Tagen werden im Lager in der Salzschlirfer Straße bis zu 800 Kilo Obst und Gemüse abgeladen, die vom Frischemarkt stammen.“ Was nicht mehr schön aussieht, muss aussortiert werden“, sagt Dagmar Müller, die auf Ein-Euro-Basis bei“ Brot und Salz“ mithilft.“ Es ist schon einiges an Vorarbeit zu leisten, bevor die Tüten gepackt und ausgegeben werden können. Aber wenn man dann in die Gesichter dieser Menschen schaut, dann ist man selber ganz glücklich“.
Spenden an“ Brot und Salz“ gehen an das Christliche Zentrum Frankfurt e.V., Evangelische Kreditgenossenschaft, Bankleitzahl 520 604 10, Kontonummer 10 400 33 22.