Von Ernst Eelmae
Mit regulären Beschäftigungsverhältnissen ist längst nicht abzudecken, was Schulen mit ihren Betreuungsangeboten anbieten sollen auf dem Weg zur Ganztageseinrichtung. Ziel ist, dass sie nicht nur Lern-, sondern verstärkt auch Lebensort sind. Das hier oft gezeigte Elternengagement stößt aber auch an Grenzen. Daher wird nun vermehrt auf Abhilfe von Außen gesetzt. Fast im Stillen wirkt hier bereits im vierten Jahr eine gemeinnützige Organisation, die gerade für den Schulbereich Kräfte zur Verfügung stellt.
Jüngstes Beispiel ist die Albrecht-Dürer-Schule, an der drei Frauen im Januar und Juli eine Tätigkeit in Organisation, Mittagstisch und Betreuung aufgenommen haben. Wie etwa die 28 Jahre alte Waafa Fahmi, die sowohl im Klassenraum der Klasse 3a von Jutta Breitlow-Pöller zu finden ist, wie draußen auf einem der Spielbereiche. Sie nimmt einen so genannten Zusatzjob wahr, den ihr die Rüsselsheimer Niederlassung der GFFB im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für Soziale Grundsicherung und Arbeitsmarktintegration (Arge) vermittelte. Denn Fabmi zählt zum Kreis der Arbeitslosengeld-II-Bezieher, denen damit ein Erst- oder Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden soll.
Zusatzjob heißt dabei, für 1,50 Euro pro Stunde bis zu 30 Stunden pro Woche und maximal 18 Monate lang einer Beschäftigung nachzugehen, bezahlt von der Arge, wobei dieser Verdienst nicht auf die laufenden Sozialleistungen angerechnet wird. Ausgesucht werden die Aspiranten nach ihren Interessengebieten, in die sie vor Aufnahme der Tätigkeit auch zunächst für einige Tage hineinschnuppem. Denn gerade im Schulbereich müsse die "Chemie" in Zusammenarbeit mit Lehrkräften stimmen, hält Schulleiter Gerd Stüber fest. Er betont auch: »Wenn wir diese drei Damen nicht hätten, hätten wir an diesen Stellen nichts", wären zu bewälti-
gende Aufgaben im Umfeld des pädagogischen Kernbereichs nicht abzudecken. "Anrüchig" seien diese Beschäftigungsverhältnisse auch Elternbeirat und Personalrat nicht, die hier mitbestimmt hätten.
Im Falte von Fahini bedeute der Einsatz sogar wertvolle Hilfe im Kontakt zu den Eltern der Schüler mit Migrationshintergrund, da sie selbst in Marokko geboren sei.
Für die GFFB verwies Anne Scherer, Projektleiterin in Rüsselsheim, auf die enge Betreuung der Tätigen. Man beobachte, welche Fähigkeiten bei ihnen weiter entwickelt werden könnten. Für ihren Einsatz erhielten sie ein qualifiziertes Zeugnis, für manche Teilnehmer das erste überhaupt.
Und Qualifizierungsangebote halte die Arge begleitend oder im Anschluss bereit, betonte Claudia Görisch-Muschert vom Jobcenter im Hasengrund. Für die Zusatzjobber bedeute die Tätigkeit Halt und persönliche Stärkung, wichtig für einen Einstieg in den regulären Arbeitsmarkt.
Hier kann die GFFB auf eine Vermittlungsquote von über 30 Prozent verweisen bei bisher 770 Betreuten im Nordkreis. Zwei Drittel aller bisherigen Zusatzjobber sei unter 50 Jahre alt (die drei Frauen an der Dürerschule sind zwischen Anfang 20 und Mitte 30). Von den 13 Schulen im Zuständigkeitsbereich der Rüsselsheimer Arge seien fünf in Rüsselsheim, an denen insgesamt 40 Personen Mithilfe in Organisation, Betreuung bei Mittagstisch und Hausaufgaben, in Bibliotheken, im PC-Bereich und auch in der Pflege des Schulgeländes tätig seien. Insgesamt habe man 77 von 110 möglichen Stellen besetzt (die Hälfte davon in Rüsselsheim), die auch in Altenheimen und Vereinen (darunter der SC Opel) lägen.