21.10.2008, Frankfurter Rundschau

Mit dem Pinsel in den Arbeitsmarkt

Eckenheim: Ein Stadtteilprojekt hilft Einzelnen und baut neue Nachbarschaften


Von George Grodensky

 

Kunst gehört nicht ins Museum. je sollte dort sein, wo sie die Menschen erreicht: auf der Gass'. In Alt-Eckeriheim funktioniert das gut. Die Künstler aus dem neuen Projekt "Stadtteilentwicklung und Kulturarbeit" des GFFB-Stadtteilbüros an der Eckenheimer Landstraße malen für und mit den Passanten.


Vor der Nazarethkirche haben sie drei Staffeleien aufgebaut. Zwei davon bearbeiten immer die Projekt-Künstler. Nina Wenzel bringt mit intensivem Rot einen afrikanischen Sonnenuntergang auf die Leinwand. Nicht, dass sie einen solchen schon mal selber gesehen hätte - dennoch wirkt das fertige Bild überzeugend. "Ich male halt gern", sagt die 40-Jährige bescheiden.


Nicht nur das. Die Malerei hat ihr innere Ruhe und Zufriedenheit gegeben. Etwas, das sie in der Arbeitslosigkeit verloren hatte. Wenzel war in Redaktionen als Text- und Bildbearbeiterin beschäftigt. Jetzt erhält sie sich mit den von der GFFB vermittelten Arbeitsgelegenheiten die Aussicht, in den ersten Arbeitsmarkt zurück zu kehren.


Wenzel ist eine von zehn Kreativen, die sich im neuen GFFB-Projekt zusätzliche Qualifikationen erarbeiten. Sie sind Künstler, Medienschaffende, Texter, ein Religionswissenschaftler, Grafiker und Logistiker, alle zwischen 30 und 50 Jahren alt. 20 Plätze sind für das Projekt vorgesehen. "Wir wollen das Team langsam aufbauen', sagt GFFB-Projektkoordinatorin Annemie Pauli.


Die Malaktion ist gut angekommen im Stadtteil. Die dritte Staffelei ist für die Passanten reserviert, die sich spontan zu den Künstlern und ihren Acrylfarben gesellen und den Pinsel führen. Kinder, ältere Damen, "sogar Männer haben mitgemacht", zählt Pauli verwundert auf. Ziel ist es, die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. "Aktivierende Kulturarbeit" nennt das die Leiterin.


Aber nicht nur die Künstler sollen mit den Nachbarn sprechen, die Nachbarschaften selbst will das Projekt wieder zueinander führen. "Bezüge herstellen." Die könnten in einer Großstadt durchaus mal fehlen. "Ich bin vor einer Weile umgezogen. Man kommt schwer in Kontakt mit den anderen Leuten", erzählt Pauli.


Über das Stadtteilbüro können die Eckenheimer nun Hilfe einholen können, wenn sie Feste oder Märkte veranstalten. Die Leute im Projekt unterstützen bei der Pressearbeit, bieten ihre künstlerischen Qualifikationen an oder vermitteln Kontakte zu anderen Künstlern, zu Dekorateuren oder Kunsthandwerkern. Bald auch stadtweit. "Das nutzt ja ebenfalls den Künstlern, die sich promoten wollen, noch nicht so bekannt sind' sagt Pauli. "Wir vernetzen die Szene."

 

Hauptsächlich möchte Pauli aber ihren Schützlingen, so genannten Ein-Euro-Fünfzig-Jobbern, dabei helfen, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. Sie weiß, wovon sie spricht. "Ich war selber arbeitslos", erzählt sie. Wer länger ohne Beschäftigung sei, bei dem sinke das Selbstvertrauen. Da sei es gut, in einem Projekt einen sinnvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben zu leisten.

Ohne Job könne man sich auch kaum noch etwas leisten, den Zugang zu Medien zum Beispiel. Auch deswegen lohne sich die Teilnahme am Projekt, denn im Büro an der Eckenheimer Landstraße stehen den Mitarbeitern Computer und Zeitungen zur Jobrecherche zur Verfügung. Wer möchte, kann ein Vorstellungsgespräch üben, Hilfe bei der Bewerbung bekommen.

 

KUNST IM STADTTEIL

 

Das Stadtteilbüro Eckenheim der GFFB bietet seit Ende August ein neues Projekt "Stadtteilentwicklung und Kulturarbeit" an. Die GFFB unterstützt Bürger, Vereine und Initiativen bei Straßenfesten, Feiern oder Flohmärkten.

 

Die daran angeschlossene Aktion "Wir malen für Sie, malen Sie mit" läuft seit Mitte September noch bis bis morgigen Mittwoch, 22. Oktober, bei gutem Wetter von 12 bis 14 Uhr.

 

Die GFFB, 1994 als "Gemeinnützige Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft" gegründet, betreut und qualifiziert inzwischen auch Männer auf deren Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt. Infos im Netz unter www.gffb.de

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