22.10.2008

Wenn die Strasse zum Atelier wird

Bei der Aktion "Kunst im öffentlichen Raum" treffen ausgebildete Künstler auf Passanten


David (5) konzentriert sich auf die Entstehung seines Kunstwerks. Vorsichtig bewegt er den mit Farbe getränkten Pinsel über das Papier. Was er da malt, möchte der Junge noch nicht verraten. Vielleicht weiß er es aber auch selbst noch nicht.

 

David steht an einem Tisch, der vor der Nazarethkirche in Alt- Eckenheim aufgebaut ist. Während am Tisch und an Staffeleien gearbeitet wird, lehnen an der Mauer des Gotteshauses bereits fertige Bilder.

 

«Kunst im öffentlichen Raum» heißt die Aktion, bei der ausgebildete Künstler auf interessierte Passanten treffen. Die Künstler laden die Passanten ein, selbst kreativ tätig zu werden – und viele, vor allem junge Menschen, nehmen die Einladung an.

 

Federführend bei der Aktion ist das Stadtteilbüro Eckenheim der Gemeinnützigen Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft (GFFB). Annemarie Pauli, Leiterin der Einrichtung, hat sich unter dem Motto «Stadtteilentwicklung und Kulturarbeit» ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie möchte ein Netzwerk aus Frankfurter Künstlern und Bürgern schaffen. Mit dem Ziel, die Kultur in der Stadt voranzubringen. «Die Förderung der kulturellen Vielfalt im Schmelztiegel Frankfurt liegt uns sehr am Herzen», betont Pauli. Deshalb werde die GFFB künftig auch auf Straßenfesten, Ausstellungen und Flohmärkten die Werbetrommel dafür rühren.

 

Finanziert wird das Eckenheimer Stadtteilbüro der GFFB vom Rhein-Main Job-Center. Bei seinen Projekten geht es nämlich auch darum, erwerbslose Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen. Auch im Fall von «Kunst im öffentlichen Raum» ist das so. Einer der arbeitslosen Künstler, die mitmachen, ist der Afghane Ahmad Bassam (46). Einst hat ihm das ehemalige Postmuseum eine Ausstellung gewidmet. Heute ist er in der Kunstszene weitgehend unbekannt.

 

Das Projekt des Stadtteilbüros Eckenheim gab ihm die Freude an der Kunst zurück. Bassam hat etliche Interessenten kennengelernt, die eines seiner Bilder erwerben möchten. Zur Zeit liegt der Marktwert eines Originals des Afghanen bei etwa 150 Euro. Die Einnahmen aus dem Projekt will Bassam aber nicht behalten, sondern zur Unterstützung armer Kinder in Afghanistan spenden. «In Deutschland kann ich meinem Land besser helfen als in meiner Heimat.»

 

In Afghanistan hat Bassam Medizin studiert, er wollte eigentlich Chirurg werden. Dann wurde seine Universität zerbombt. Wer den Künstler und seine neun Mitstreiter kennenlernen oder selbst etwas malen möchte, kann heute – falls das Wetter mitspielt – zwischen 12 und 14 Uhr auf den Vorhof der Nazarethkirche in Alt-Eckenheim kommen.

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