28.01.2009, Frankfurter Rundschau Online
Lebendige Leipziger
Einkaufen im Stadtteil - Eine Serie
VON KIM BEHREND
Schon wieder scharf abbremsen. Gang runter, vorbeikommen geht erst mal nicht. Da hilft wohl nur, von hinten zu rufen: "Entschuldigen Sie bitte, lassen Sie mich gerade mal vorbei?"
Mit dem Kinderwagen die Leipziger Straße rauf oder runter zu laufen ist alles andere als entspannt. Vor allem dann nicht, wenn man lieber zügigen Schrittes daherkommt. Es ist einfach verdammt viel los auf dieser Straße.
Passanten eilen, Obst- und Gemüsehändler, Lebensmittelläden, Boutiquen und Drogerien stellen ihre Ware auf dem Bürgersteig aus. Der Fußgänger bestreitet seinen Weg im ewigen Zickzack-Kurs und kreuzt dabei schon mal die schmale, mit Kopfstein gepflasterte Fahrbahn - meist ohne nach nahenden Autos oder Radfahrern zu schauen.
Das ist nicht ganz ungefährlich, denn auch auf der Straße ist viel los. Den zahlreichen Radlern ist das Fahren gegen die Einbahnstraße erlaubt und weil die Straße eng ist, ist der Raum zum Ausweichen begrenzt.
Willkommen im Großstadtdschungel, möchte man meinen. Tatsächlich aber ist die Leipziger kein Unfallschwerpunkt und das Getümmel zeugt vor allem von einem: Hier pulsiert das Leben - und der Einzelhandel profitiert davon. Das wiederum freut den Anwohner. Das Sortiment auf der Leipziger ist vielfältig und gerade in den vergangenen Jahren sind einige Geschäfte neu hinzugekommen. Zum Einkaufen muss der Bockenheimer nicht unbedingt "in die Stadt".
Damit das so bleibt oder gar noch besser wird, wünscht sich Otto Ziegelmeier von der Initiative "Bockenheim Aktiv" unter anderem eins: " Die Vermieter und Hausbesitzer mögen mit Weitblick mittel- und langfristig überlegen, welche Unternehmen dem Branchenmix Bockenheims gut tun. Denn wenn sie gebraucht werden, haben sie auch eine Chance, deren Miete zu bezahlen."
Das sind gute Wünsche für eine Straße, deren Gestalt im 18. Jahrhundert festgelegt wurde und auf der schließlich vor zehn Jahren der Strukturwandel unangenehme Spuren zu hinterlassen drohte: Ketten, vor allem Bäckerei-Ketten, wohin man auch blickte. Drogeriemarkt an Drogeriemarkt und inmitten des Ganzen die unschöne Bauruine mit freundlichen Grüßen von Heinrich Gaumer.
Als Erfolg gilt es da wohl, dass sich gerade in den vergangenen Jahren Einzelhändler mit ausgesuchter Ware niedergelassen haben. Ein Käsehändler zählt hierzu, ebenso wie der Laden, der polnische Wurstspezialitäten feilbietet.
Wahre Schätze im Hinterhof
Die wahren Schätze entdeckt, wer einen Abstecher in die zahlreichen Hinterhöfe wagt. Die allseits bekannte Kaffeerösterei Wissmüller sitzt im Hinterhof der Nummer 39, Brautmode gibt's in der Nummer 35 gleich gegenüber vom Irish Shop. Zu diesen zwei Geschäften hat sich jüngst der Kinderausstatter "Princess and Pirates" neu hinzugesellt. Eine Niederlassung, die Zeichen setzt für einen weiteren positiven Wandel.
Mit dem Wegzug der Universität prägen Studierende zwar immer weniger das Bockenheimer Stadtbild. Dafür haben "besserverdienende" junge Paare den Stadtteil für sich entdeckt. Großzügige Eigentumswohnungen entstehen vielerorts. Noch allerdings lebt es sich auch für ältere Menschen in diesem rund 40.000 Einwohner starken Stadtteil komfortabel.
Nicht nur, weil die Leipziger für jeden Geldbeutel etwas zu bieten hat. Sondern es gibt auch für alle jene, die es zu Fuß alleine nicht mehr dorthin schaffen, den Einkaufsservice der Beschäftigungsagentur GffB. Die Mitarbeiter dieser Agentur erledigen auf Wunsch die Einkäufe, begleiten ältere Menschen aber auch beim Einkaufen. Damit diese die Lebendigkeit der Leipziger noch weiter selbst erleben können.